Erklärung der hungerstreikenden Flüchtlinge im Protestcamp Bitterfeld

Drei Menschen befinden sich nunmehr seit fast 11 Tagen im Hungerstreik. Zwei Menschen sind heute mit in den Hungerstreik getreten, um mit uns weiter für unsere Forderungen zu kämpfen.Unser Kampf steht im Zusammenhang mit den bundesweit stattfindenden Flüchtlingsprotesten in Deutschland unsere Forderungen verbinden unseren Kampf zu einem lauten Aufschrei!

Anerkennung der Asylgründe und ein Bleiberecht!
Abschaffung der Residenzpflicht!
Abschaffung der Lager! Freie Wahl des Wohnortes und der Wohnung!
Das Recht zur Arbeit und Lernen (Sprache, Berufsausbildung…)
Sofortiger universeller Abschiebestopp!

Wir befinden uns im Hungerstreik, da wir uns fühlen wie Geister und wir das Gefühl haben, dass niemand uns erhört. Der Hungerstreik wird andauern, bis es endlich jemand gibt der sich Verantwortlich fühlt für uns und unsere Forderungen. Um den Hungerstreik zu beenden, fordern wir daher die verantwortlichen Behörden auf, über unsere folgenden Forderungen zu entscheiden, oder zu verhandeln!

Wir wollen endlich eine reelle Chance auf eine Arbeitserlaubnis!
Wir haben offiziell das Recht auf eine Arbeitserlaubnis im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, da wir die Voraussetzungen dafür erfüllen, doch die Ausländerbehörde verweigert uns diese.
Wir wollen eine Chance auf Teilnahme an einem Deutschsprachkurs! Wir fordern die Verantwortlichen auf, einen Weg der Finanzierung des Kurses zu ermöglichen!
Wir sind alle schon einige Jahre in Deutschland und wollen endlich die Möglichkeit uns in der Gesellschaft verständlich zu machen, um mit den Menschen in unseren Wohnorten in den Dialog treten zu können.
Wir wollen, dass das Thema der Unterbringung von Flüchtlingen lösungsorientiert diskutiert und behandelt wird! Wir wollen Zusicherungen auf reale Veränderungen!
Wir lassen uns nicht abspeisen mit der angeblichen Unterbringung in Wohngruppen, welche realistisch betrachtet für niemanden umsetzbar ist. Wir wollen einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema Flüchtlingsunterbringung im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, welcher konkrete Verbesserungen und Veränderungen für alle Flüchtlinge möglich macht.

Wir fordern hiermit alle Verantwortlichen auf, mit uns in den Dialog zu treten! Zeigen Sie endlich Verantwortung und Menschlichkeit!
Die Forderungen, welche wir stellen sind möglich, es liegt an ihnen jetzt endlich zu reagieren!

Die hungerstreikenden Flüchtlinge aus dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld, Halle (Saale) und Harpke
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1.Tag im Hungerstreik

*Wir gehen in den Hungerstreik und warum?*

Am Abend des 1. August 2013 errichteten wir (Flüchtlinge in Bitterfeld -Sachsen-Anhalt) ein Protestcamp vor der Ausländerbehörde auf dem
Marktplatz der Stadt, um unsere Protest in die Öffentlichkeit zu bringen.

Wir fordern:

Anerkennung der Asylgründe und ein Bleiberecht!
Abschaffung der Residenzpflicht!
Abschaffung der Lager! Freie Wahl des Wohnortes und der Wohnung!

Das Recht zur Arbeit und Lernen (Sprache, Berufsausbildung…)

Die Anerkennungsquote in Sachsen-Anhalt ist geringe und das Asylverfahren dauert extrem lang.

Wir Flüchtlinge im Landkreis Bitterfeld werden gezwungen in isolierten Lagern zu wohnen, die mitten im Wald, fernab von Einkaufmöglichkeiten, Ärzten und sonstigen Orten gesellschaftlichen Lebens liegen. Wir dürfen nicht arbeiten oder deutsch lernen. Einer von uns wartet seit über 10 Jahre auf die Arbeitserlaubnis. Einige von uns sind durch krankmachendes Lagerleben gestorben und viele von uns sind traumatisiert.

Die Situation in den Lagern ist sehr schlecht. Die Zimmer sind klein und überbelegt. Die Küchengeräte, Toiletten und Bäder sind kaputt oder zu wenige. Die Heimleiter der Lager im Landkreis Bitterfeld kontrollieren und bedrohen uns ständig. Sie missachten unsere Privatsphäre.

Wir sind bedroht mit der Abschiebung, falls wir gegen diese Zustände protestieren.

Das Leben in Flüchtlingsheim macht uns krank. Wir sind verurteilt in Isolation zu sterben.

Wir haben nun die Wahl in der Öffentlichkeit durch Hungerstreik zu sterben, oder durch den langsamen Tot im Lager.

Wir werden nicht mehr zurück ins Flüchtlingsheim gehen.Wir haben den Hungerstreik gewählt.

Bitterfeld, am 07.08.13

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We are going on hungerstrike – WHY?

On the evening of the 1st August 2013 we, some refugees in Bitterfeld – Saxony-Anhalt, set up a protest camp in front of the ‚Ausländerbehörde‘ [foreigners authority] at the market square of the town, to bring our protests into public.

We demand:

Recognition of our reasons to ask for asylum and the right to stay!
Abolishment of ‚Residenzpflicht‘!
Abolishment of all Lagers! And the right to choose freely the place and the houses we want to live in!
A right to work and to learn (language, job trainings,…)!

The quote for recognition in Saxony-Anhalt is very low and the asylum procedure lasts extrem long.

We refugees in the district of Bitterfeld are forced to live in isolated Lagers, which are in the mid of forests, far away from opportunities to shop, doctors and other places of society’s life. We are not aloud to work or to learn German. One of us is waiting for more than 10 years for his permission to work. Some of us died caused by living in Lagers which makes us sick, many of us are traumatized.

The situation in the Lagers is very bad. The rooms are small and too many people have to live in one room. The kitchen equipment, toilets and bathrooms are broken or there are not enough of them. The manager of the Lagers control and threaten us permanently. They disrespect our privatsphere.

We are threathened with deportation, if we protest against these conditions.
The live in the refugee Lagers is making us sick. We are condemned to die in isolation.
We now have the choice to die in public through our hungerstrike or to choose the slowly death in the Lager.

We will not go back to the Lagers. We have chosen the hungerstrike.

Bitterfeld, 07.08.2013