Pressemitteilung der Hungerstreikenden Asylsuchenden in Bitterfeld

Wir sind Hungerstreikende, die nur unsere Grundrechte verlangen: Das Recht auf Arbeit, das Recht auf Bildung, das Recht sich frei zu bewegen, und das Recht unseren Wohnsitz frei zu wählen. Diese Rechte existieren nicht für uns, da wir Asylsuchende sind! Wir müssen in isolierten Lagern leben. Wir
warten jeden Moment darauf, dass die Polizei mit den Abschiebebescheid zu unsere Zimmer kommt. Hungerstreik ist das Mittel unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen, um auf uns und unsere Situation aufmerksam zu machen.

Erst am 22. August, nach 15 Tagen Hungerstreik, besuchte Frau Möbeck (Integrationsbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt) unser Protestcamp. Mehr als zwei Stunden haben wir miteinander gesprochen. Nächsten Donnerstag soll es ab 12 Uhr ein Treffen mit dem Landrat, Herrn Böddeker geben, wo Arbeitsgruppen mit den verschiedenen verantwortlichen des Landkreises Bitterfeld entstehen sollen. Wir setzen deshalb unseren Hungerstreik als politischen Akt und als Geste an die Verantwortlichen bis zum Donnerstag aus.
Wenn es aber bei dem Treffen zu keinen Ergebnissen kommt, werden wir den Hungerstreik fortsetzen. Lieber sterben wir im Protest als langsam im
Flüchtlingsheim. Auch haben wir versucht beim Innenminister, Herrn Stahlknecht, einen Termin zu bekommen. Das Innenministerium behauptet, dass es nicht zuständig sei und dass es die Aufgabe des Landkreises und des Bundesamtes sei, die Probleme zu lösen.
Es gibt angeblich keinen freien Termin! Sie sind angeblich nicht zuständig! Unsere Unterstützer/in versuchen weiterhin einen Termin beim Innenministerium in Magdeburg zu bekommen, damit sie sich nicht ihrer Verantwortung entziehen können.

An dem Treffen nächsten Donnerstag werden auch Unterstützer/in und vertraute Personen teilnehmen. Auch unsere Brüder/ Schwester aus der so
genannten „Gemeinschaftsunterkunft Marke“; sollten bei diesem Treffen dabei sein.
Wenn keine unserer Forderungen angesprochen, diskutiert und umgesetzt werden sollte, werden wir für unseren Protest weitere Schritte in Betracht ziehen. Wir werden unseren Kampf auch nach dem 29.August fortsetzen.

Wir fordern:
Anerkennung der Asylgründe und ein Bleiberecht!
Abschaffung der Residenzpflicht!
Abschaffung der Lager! Freie Wahl des Wohnortes und der Wohnung!
Das Recht auf Arbeit und Lernen (Sprache, Berufsausbildung…)!

Wir sind stark und werden für die Verbesserung und für die Rechte aller Flüchtlinge kämpfen.
Wir erwarten, dass unsere Forderungen bei dem Gespräch erfüllt werden.
Wir lassen uns nicht z.B. mit einem sogenannten Heimbeirat als Lösung abspeisen.
Wir haben nichts zu verlieren. Unser Kampf geht bis in den Tod.

Die Hungerstreikenden Asylsuchenden in Bitterfeld
24/08/2013